Die Laaber Chronik

Diese kleine Chronik von Laab im Walde bezieht ihre Unterlagen aus der Diplomarbeit von Katharina Hanak-Hammerl. Verweise auf sämtliche Quellen sind ebenso dort zu finden.

Ein besonderer Dank gilt Herrn Josef Freywagner, Herrn Ing. Franz Strobl, den Damen des Gemeindesekretariats, sowie Frau Christine Wolfsgruber für die Bereitstellung der Fotos.

”Der Reich-Liesingbach durchzieht ein freundliches Thal, welches sich hinter Kalksburg in westliche Richtung über eine Stunde lang erstreckt. Es ist das bekannte Thal von Breitenfurt, von welchem zur rechten ein zweites Thal gegen Laab ausästet. Die beim roten Stadl nach rechts abführende Straße leitet zwischen waldigen Hügeln in eben so kurzer Zeit (1/2 Stunde) nach dem freundlichen Laab.“
(Adolf Schmidl: Wien’s Umgebung auf zwanzig Stunden im Umkreis Bd. 3, Wien 1839, S.211f.)
© Herausgegeben von den ÖVP Frauen Laab im Walde, 2000.

Laab im Walde liegt im Südwesten von Wien, etwa 17 km vom Stadtzentrum entfernt an der Bundesstraße 13 zwischen Kalksburg und Pressbaum. Das Gemeindegebiet misst eine Fläche von 7,23 km2 und liegt auf einer Seehöhe von 317 m. Die Flurform des Ortes ist die eines Grabendorfes, das sich zu einem Mehrstraßendorf erweitert. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Laab über Liesing erreichbar, und zu Fuß durch den Lainzer Tiergarten. Die Wälder, die das Gemeindegebiet im Norden und im Süden abschließen, sind im Besitz der Österreichischen Bundesforste und der Gemeinde Wien. Es handelt sich dabei um Buchen- und Buchenmischwälder. Das muldenartige Laaber Becken hat ein besonderes Kleinklima. Der Frühling und der Herbst sind feucht, der Sommer ist eher trocken.

Bevölkerungsstruktur:
Bis 1990 ist eine kontinuierliche Zunahme an Bevölkerungszuzügen zu bemerken, wobei die Zweitwohnsitzer gleichbleibend, eher rückläufig sind. Laab hat kaum Betriebe, keinerlei Industrie, was für die Gemeinde einen großen Einnahmeverlust bedeutet, den Ort zum Wohnen allerdings sehr erstrebenswert macht.

Der Großteil der Bevölkerung verdient sich seinen Lebensunterhalt als Pendler. Es gibt - im Vergleich zur Vergangenheit - nur noch wenige Bauern im Ort. Das Rehabilitationszentrum und ein paar Kleinbetriebe bieten Arbeitsplätze.

Infrastruktur:
Es gibt in Laab ein Gemeindeamt, einen Kindergarten, ein Postamt, eine Arztpraxis, ein Feuerwehrdepot, eine Bankfiliale, ein Abfallsammelzentrum, einen Greißler mit Imbissstube, zwei Gasthäuser, ein Kaffeehaus, einen Juwelier, ein Reitsportzentrum, einen Sportplatz, einen Golfplatz mit Driving Range. Die örtliche Volksschule wurde 1972 geschlossen. Die Kinder werden seither mit einem Schulbus in die Volksschulen, die Hauptschule und das Gymnasium nach Perchtoldsdorf gebracht.

Laab wird erstmals in einer Urkunde genannt

Im Vergleich zu seinen Nachbarorten ist Laab im Walde ein viel älterer Ort. 1158 soll Heinrich II Jasomirgott von Österreich eine Kapelle in „Laup” der Schottenbastei gestiftet haben. Dies ist aber urkundlich nicht gesichert. Erst 1200 bestätigt Leopold VI alle Schenkungen, die sein Großvater Heinrich Jasomirgott dem Schottenkloster gemacht hat. In dieser Urkunde wird dem Kloster die Schenkung einer „capellam beati Colomanni in Loupe” amtlich zugesichert. Demnach ist „loupe” der erste beglaubigte Name, den man für Laab im Walde annehmen kann.
Loupe leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort loube ab, was soviel bedeutet wie „Laubwald” oder „zu den Lauben”. Es finden sich in verschiedenen Urkunden noch weitere Bezeichnungen, so zum Beispiel „Laeb” (1352), „Laab in silva” (1429) oder „Lääb” (1601).

Vier Siedlungsstellen spielen in der Vorgeschichte der Gemeinde Laab im Walde eine wesentliche Rolle:
Der landesfürstliche Jagdhof, welcher sich auf dem „Kirchberg”, dem heutigen Klosterberg, befand. Der Koloman Kapelle, welche gegenüber dem Jagdhof gelegen war. Wer diese Kapelle erbauen ließ, ist nicht bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass sie zu Ehren des Märtyrers Coloman, der 1201 bei Stockerau gepeinigt und getötet worden war, erbaut wurde. Dem Turmhof („Thurnhof”); hierbei handelt es sich um ein Schloss, welches an der Stelle stand, an der sich heute die Kirche und der Pfarrhof befinden.
Die Siedlung Laab im Walde selbst, welche in der Nähe des Turmhofes gelegen war.

Besiedlung:

Laab, und auch andere Orte des Wienerwaldes, verdanken ihre frühe Besiedlung einzig der Jagdlust zuerst der Babenberger, dann der Habsburger. Durch die Bevölkerungszunahme der Stadt Wien wuchs im Laufe der Zeit der Bedarf an Brennholz beträchtlich. Die Holzarbeiter und Köhler bewohnten sogenannte „Duckhäuser”, die später, abhängig von der Größe des zugehörigen Grundes, zu Ganz -, Halb- und Viertel Hüttlern wurden. Diese Siedlungs - und Hausform sollte das Wienerwaldgebiet für sehr lange Zeit prägen. Auch viele Gemeinden der Umgebung von Laab, wie zum Beispiel Breitenfurt, Wolfsgraben oder Hochrotherd, entstanden aus solchen einfachen Hüttlerkolonien.

Der Thurnhof

Der Thurnhof befand sich an der Stelle der heutigen Pfarrkirche und des Pfarrhofes. Seine Entstehung dürfte um 1418 sein. Es ist anzunehmen, dass das Gebäude als Forstamt diente.
Ein Höhepunkt in der Geschichte des Ortes Laab vor dem ersten Türkeneinfall sind die Jahre 1311 bis mindestens 1336. Damals galt Laab als Sitz des Jägermeisters von Österreich. Es ist allerdings unklar, ob dieser seinen Sitz im Jagdhof bei der Kolomankapelle oder im Thurnhof, der sich im Zentrum des Ortes befand, hatte.
Der erste bekannte Besitzer des Thurnhofes war Irnfried der Aichberger, welcher 1418 durch Herzog Albrecht V mit dem Hof zu Laab belehnt wurde. Das Gebäude wechselte in den folgenden Jahren mehrmals den Besitzer, bis es 149O an das Stift St. Dorothea kam.
Bei der ersten Türkenbelagerung 1529 blieb jedoch auch der Thurnhof nicht verschont und in der Pfarrchronik ist zu lesen:

„...... von dem Thurnhof aber blieb nur ein mühseliges Häusel, samt dem abgebrannten stöckl ohne Dach,
doch viel stehenden alten Mauern und zersprengten Thurme in vier Theile durch die Feuersbrunst.”

Das Jagdschloss

In der Pfarrchronik ist zu lesen, dass das Gebäude nach einigen Vorbesitzern dem Stift Dorothea gehörte. Das Stift bewirtschaftete das Jagdschloss nicht selbst, sondern überließ dies anderen Leuten in einer Art Pacht.
Auch das Jagdschloss fiel 1529 dem Türkeneinfall zum Opfer. Es wurde aber, im Gegensatz zum Thurnhof, nicht wieder aufgebaut.

Das Schloss Wintersbach
In der Abbildung einer Skizze aus dem Heimatbuch Perchtoldsdorf lässt sich das Aussehen des Schlosses erahnen.

Die Hauptfront lag direkt an der heutigen Hauptstraße. In der Mitte befand sich wohl das Haupttor und darüber einer der zwei Türme. An beiden Seiten des Tores lagen die Wohnräume und am westlichen Ende der Hauptfront lag die Leopolds- oder Dreifaltigkeitskapelle, die bis 1789 bestand. Durch das Haupttor gelangte man in einen rechteckigen Schlosshof, der auch an den übrigen Seiten von Schlossgebäuden umgeben war. Der dem vorderen Teil gegenüber liegende Gebäudeteil war wohl gleichartig gestaltet und dürfte auch einen Turm in der Mitte gehabt haben. Die beiden Schmalseiten des Gebäudekomplexes waren einfacher beschaffen und dienten wahrscheinlich als Stallungen, Zeughaus, Wagenschuppen und Speicher.

Besitzstände

Laab konnte seine einstige wichtige Stellung nach dem Türkeneinfall nicht wieder erlangen, und auch der Ort selbst bestand noch über hundert Jahre nach diesem Ansturm aus Ruinen. Dies ist der Grund, warum aus der Geschichte Laabs vor 1529 so wenig oder gar nichts bekannt ist. Im Jahre 1669 verkaufte das Stift St. Dorothea die Laaber Besitzungen an Christoph Ignaz Graf Abele von und zu Lilienfeld. Unter seiner Herrschaft erblühte der Ort wieder für einige Jahre. An den Ruinen des Jagdhofes änderte Abele nichts, jedoch ließ er das Gebäude des alten Thurnhofes wieder aufbauen und nannte es Schloss Wintersbach.

Nach seinem Tod übernahm seine Witwe Maria Clara seine Besitzungen, die kurze Zeit später den kaiserlichen Hofkämmerer Johann Gottfried Graf von Sallaburg heiratete. Graf Sallaburg verkaufte die Herrschaft Laab an Seyfried Christoph Graf Breuner.

Graf Breuner ließ 1696 einen neuen Pfarrhof und ein Schulhaus auf dem Kirchberg, heute Klosterberg, erbauen.

Auch Graf Breuner gab den Besitz wieder ab und es folgten in den nächsten Jahrzehnten eine Reihe weiterer Besitzer.

In diese Zeit fällt auch die Errichtung einer Einsiedelei in Laab, die sogenannte „Laaber Klausen". In dieser Eremitage lebten 10 Einsiedler oder Waldbrüder. Sie sind in der Pfarrchronik namentlich genannt. Sie hatten die Aufgabe, „in der Kirche bey der Messe zu ministrieren und aufzuwarten”. 1782 starb der letzte Eremit Josef Hieronymus Mooß.

1769 übernahm der Deutsche Orden die Besitzung Laab im Walde und behielt diese im Patronat bis 1980. 1789 erwarb der Orden auch die kleine Kapelle des Hl. Nepomuk, die aber vorher schon bestanden haben muss.1980 schenkte der Deutsche Orden Pfarrhaus, Wohn- und Wirtschaftsgebäude und den sogenannten Pfarrergarten der Pfarrkirche St. Koloman.

Carl Graf Colloredo verwaltete für den Deutschen Orden die Besitzungen und in diese Zeit fällt die Übersiedlung von Pfarrhof und Schule vom weiter abgelegenen Kirchberg in das Zentrum des Ortes neben das Schloss Wintersbach.

An der Stelle der alten Kirche auf dem Kirchberg wurde 1840 eine Kaltwasserkuranstalt errichtet, eine Badeanstalt „bestehend aus zwei zusammengehörigen Häusern, einigen Ackern und Wiesen”.

Der Maler Carl Schindler verbrachte hier einen Kuraufenthalt, den er allerdings nicht überleben sollte. Sein Werk, „Die Rekrutierung”, soll hier entstanden sein.

Der erste Einfall der Türken hat in Laab furchtbare Schäden hinterlassen. Der Ort wurde fast zur Gänze zerstört, die Bevölkerung niedergemetzelt oder verschleppt. Die Schriftstücke aus Pfarre und Forstverwaltung sind damals den Flammen zum Opfer gefallen. Die Pfarre wurde nicht wieder hergestellt und die übrig gebliebene Bevölkerung in den nächsten 165 Jahren von der Pfarre Perchtoldsdorf betreut.

Nach einer kurzen Blütezeit fielen die Türken 1683 wieder in den Ort ein und hinterließen abermals eine Stätte der Verwüstung. Knapp davor hatte hier auch die Pest gewütet und zusätzlich die Bevölkerungszahl drastisch reduziert.

Die Pesttoten waren in einem Massengrab außerhalb des Ortes, im „Kreuzfeldanger”, begraben worden. Die nahezu vollständige Entvölkerung des Wienerwaldgebietes war damals ein großes Problem. In der Folge setzte eine Zuwanderung aus vielen Gebieten des Reiches, wie zum Beispiel aus Oberösterreich, Kärnten, Salzburg, Ungarn, Bayern usw., ein.

Das Jahr 1865 war ein weiteres Schreckensjahr für Laab im Walde. In diesem Jahr brach ein großes Feuer aus, dem auch das Schloss Wintersbach zum Opfer fiel. In Laab wird gesagt, dass die „blinde Nandl” diesen Brand verursacht hatte, indem sie die noch glühende Asche aus der Küche kehrte. Einige Funken dürften auf die schindelgedeckten Häuser übergegriffen und sich entzündet haben. Das Schloss wurde nicht wieder aufgebaut, wohl aber eine einklassige Schule im hinteren Teil des Schlosshofes, zum Unterricht der „blöden Jugend” (siehe Pfarrchronik). In diesem Gebäude wird zur Zeit die neue Wohnung für den örtlichen Pfarrer eingerichtet. Im straßenseitigen Teil des ehemaligen Schlosses Wintersbach wurden ein Jahr nach dem Brand die Kirche und der Pfarrhof neu errichtet. Der Schlosshof war zugleich Kirchenhof. Es gab immer wieder Streit zwischen dem Lehrer, der im Pfarrhof wohnte und dem Mesner, dessen Gänse den Kirchenhof zerwühlten. Im Frühjahr 1898 wurden, aus Anlass des 50jährigen Regierungsjubiläums seiner Majestät des Kaisers Franz Josef, im hinteren Teil des Pfarrgartens Fichten gesetzt.

Sowohl der Standort der Kirche, als auch ihr Inneres hat sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Über die Einrichtung vor dem Brand von 1865 ist in einer Inventarliste zu lesen:
So zählten neben dem Hochalter auch zwei Seitenaltäre zum Inventar der Kirche. Der Hochaltar war mit einem Altarblatt geschmückt, das die Muttergottes Mariahilf mit zwei silbernen und vergoldeten Kronen samt einem goldenen Kranz, der an einer Granatschnur hing, zeigte.
Auf dem einen Seitenaltar befand sich ein Bild des Hl. Koloman und ein Madonnenbild in goldenem Rahmen. Auf beiden Seiten des Hochaltars befanden sich, laut Inventarliste von 1852, außerdem zwei lebensgroße, steinerne Statuen, welche den Hl. Franz und die Hl. Katharina darstellten. Es scheinen auch eine Kanzel und ein Beichtstuhl auf.
1906 erstand Pfarrer Wernhart eine Krippe aus Oberammergau für die Pfarrkirche.

1879 kauften die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul mit Hilfe einer Erbschaft die Wasserkuranstalt. Das Haus wurde zu einem Alters – und Erholungsheim für die Schwestern umfunktioniert. Ein weiteres Haus an der heutigen Bundesstraße 13 wurde von den Schwestern erworben. Dort richteten sie ein Waisenhaus ein, welches ab dem Jahre 1895 den Namen „Marianum” erhielt. Noch bis in unser Jahrhundert wurde dieses Gebäude als Ferienheim für Wiener Kinder genutzt.
Ein weiteres großes Bauprojekt war vor allem der Bau der Zweiten Wiener Hochquellwasserleitung. Bei den Arbeiten stieß man auf eine vollkommen erhaltene römische Wasserleitung. Außerdem fand ein Arbeiter bei Erdarbeiten eine Großbronze der Nerva, die sich heute im NÖ Landesmuseum befindet.
Für die Bevölkerung des Ortes bedeuteten die Aufschließungsarbeiten vor allem eine finanzielle Verbesserung. Es kamen fremde Arbeiter in den Ort, die natürlich auch eine Unterkunft benötigten. Viele Familien nahmen Bettgeher auf, welche sich im Schichtdienst ein Bett teilten.
Am 1. September 1903 übernachtete seine k.u.k. Hoheit Erzherzog Leopold Salvator auf dem Rückzug aus den Manövern mit seinem Regiment, bestehend aus 1400 Mann plus 80 Offizieren, in Laab. Die Pfarrgemeinde soll mit Freude, von den Zimmern bis zu den Heustadeln, alles zur Unterbringung der Mannschaft zur Verfügung gestellt haben. Pfarrchronik:
„Der Herr Erzherzog nahm zu meiner Freude und Auszeichnung im Pfarrhofe Absteigequartier und übernachtete daselbst!”
Dr. Rüben Blumenkranz richtete im ehemaligen Gemeinde – und Forstgebäude ein Sanatorium ein. Nach 1930 wurde dieses Gebäude von der Wiener Bezirkskasse gekauft und als Lungenheilanstalt geführt. Hier suchten hauptsächlich Frauen und Fabriksmädchen Heilung. Heute ist diese Liegenschaft im Besitz der Pensionsversicherung für Arbeiter. Vor einigen Jahren ließ die PV Arb. dieses Gebäude abreißen und es entstand an dessen Stelle ein großes Rehabilitationszentrum.
1913 wurde in der Schulgasse eine zweiklassige Volksschule errichtet, deren erster Leiter Rudolf Hackl war. Diese Schule bestand bis 1972. Heute befindet sich darin das Gemeindeamt und die Post.

Zu Beginn unseres Jahrhunderts war die Gemeinde Laab im Walde eine in sich geschlossene Ortschaft. Jeder Bewohner fand hier auch seinen Arbeitsplatz. In den verschiedensten Berufssparten waren die Menschen tätig. Sie arbeiteten als Beamte, Bauern, Holzknechte, Knechte oder Mägde. Anders als heute waren auch verschieden Handwerksbetriebe im Ort ansässig; so gab es zum Beispiel einen Schuster, einen Schlosser, einen Glaser, einen Schmied, ein Sägewerk, einen Tischler, einen Binder, einen Glaser, einen Bäcker, einen Fleischhauer und sogar einen Frisör. Da die Straßen mit Hilfe von Petroleumlampen beleuchtet wurden, war auch der Laternenanzünder ein überaus wichtiger Beruf in Laab. Die täglichen Bedürfnisse deckten drei Greißler; zusätzlich jedoch kamen noch an bestimmten Tagen Häferlflicker, Korbmacher, Rechenmacher, Lumpensammler. Im Sommer zog sogar ein Eismann mit seinem Pferdewagen, eine Glocke läutend, von Haus zu Haus. Auch ein Totengräber war hier ansässig. Ihm wurde von der Gemeinde ein kleiner Acker zur Verfügung gestellt.
Bis 1959 war in Laab auch ein Gendarmerieposten eingerichtet.
Das Leben im Dorf und das Ortsbild zeigten sich also um einiges abwechslungsreicher, als es heute der Fall ist.

Vor dem ersten Weltkrieg galt Laab als Sommerfrische der „kleinen Leute”. Die vielen Kleinhäusler, die mit mehreren Kindern in nur zwei Zimmern wohnten, machten meist einen dieser Räume für Urlaubsgäste frei. Um sich und die meist große Kinderschar versorgen zu können, hielt man sich ein paar Ziegen, ein Schwein, vielleicht eine Kuh.
Zwei Gasthöfe und das zu seiner Zeit vornehme Hotel Weissenberger sorgten für das leibliche Wohl der Gäste. Letzteres galt als beliebtes Ausflugsziel der Fiaker und war berühmt für den Milchrahmstrudel.
Hier spielte sich auch das kulturelle Leben des Ortes ab. Der Männergesangsverein traf sich dort in einer Liedertafel und auch die Musikkapelle spielte auf.
Als besonderer Höhepunkt für Laab und Umgebung in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg galt der zweitägige Laaber Kirtag. Er fand immer in der zweiten Augusthälfte statt und dauerte von Sonntag bis Montag. Am Montag war „Nobelkirtag”, und dieser wurde hauptsächlich von Geschäftsleuten der näheren und weiteren Umgebung besucht. Alte Laaber erzählen auch immer wieder, dass Kronprinz Rudolf und sogar Kaiser Franz Josef Gäste des Restaurants Weissenberger waren, doch Beweise dafür gibt es nicht. Auch soll Kaiserin Elisabeth auf ihrem Weg in den Lainzer Tiergarten, in dem sie oft geritten ist, in Laab Station gemacht haben. Auch dafür gibt es keine schriftlichen Unterlagen.
Die Verkehrsverbindung beschränkte sich auf eine Postkutsche, die etwa neun Personen Platz bot und einmal pro Woche nach Liesing fuhr. Doch die meisten Laaber gingen zu Fuß nach Kalksburg und bestiegen dort den Omnibus nach Liesing.
Der Ausbruch des ersten Weltkriegs beendete vorerst das Aufstreben dieser kleinen Gemeinde.

Im August 1915 rückten, laut Pfarrchronik, 22 Burschen zum Kriegsdienst ein. Neue Musterungen folgten bald darauf. Zu Weihnachten desselben Jahres ist in der Pfarrchronik zu lesen:
„Was soll ich schreiben? Noch immer keine Aussicht auf Frieden…. Um 9 Uhr hielt ich die Festpredigt unter vielem Geschwätz und Poltern am Chor… Und die Unsrigen in den Schützengräben und in den Spitälern.”

Im Jänner 1916 mussten bereits die 42 bis 50 Jährigen zum Kriegsdienst einrücken. Im Februar dieses Jahres kamen
„ca. 30 bis 40 kriegsgefangene Russen nach Laab. Sie wurden dem Herrn Zimmermeister Schredl auf der Langseite übergeben, der sie in einer Holzhütte einlogierte und verköstigte. Es sind lauter Orthodoxe. Sie müssen bei der Wiener Wasserleitung arbeiten… es sind durchaus ruhige Leute, die aber zur Arbeit sich Zeit lassen. Wenn manchmal Kanonenschüsse vom Steinfeld herüberdröhnen, da schaun sie auf und meinen „Italiani!” Sie meinen, die Italiener kommen schon nach Wien herauf und befreien sie. Sie werden gut behandelt und die Kost ist gut und genügend. Im Sommer kamen 20 Serben als Heuarbeiter nach Laab diese wurden in die einzelnen Häuser verteilt, wo sie bei den Leuten als Knechte gehalten werden und ganz frei herum gehen können. Sie bekommen 3 bis 5 K Wochenlohn. Sie sind sehr willig und brav. Ein einziger wollte nichts arbeitn (sie!) und mußte abgeführt werden. Herr Kernast am Roppersberg hat 5 Italiener zur Arbeit.”
Die Bevölkerung bekam nun auch die Not des Krieges zu spüren. Brot-, Zucker-, Kaffee- und Fettkarten waren eingeführt worden. Alle Lebensmittel und Bedarfsartikel stiegen nun erheblich im Preis. Ein Kilo Rindfleisch kostete zum Beispiel 10 bis 12 Kronen (früher 2 Kronen). Die Verteilung der Lebensmittel geschah durch die Gemeinde. Weizenmehl gab es überhaupt nicht mehr, das Brot wurde aus Gerste-, Hafer-, Bohnen-, ja Kastanienmehl, oft auch aus Strohmehl, gebacken. Auch an Kohle trat ein großer Mangel ein.
1917 ist unter dem Stichwort „Harte Zeiten” in der Pfarrchronik zu lesen:
„Die Not wird immer größer… Am Ostersonntag konnte der Postkutscher niemanden ein Fleisch bringen. Da gab es Jammern und Tränen.”
Über den vorangegangenen Winter ist zu lesen:
„… bis Mitte Februar dauerte diese unbändige Kälte. Der Brunnen fror uns ein. In der Kirche wurde alles zu Eis. Bei dieser Kälte trat eine furchtbare Kohlennot ein. Wien ist ohne Kohle. Gottseidank, daß wir Holz und Kohle haben. An Petroleum war schon 2 Monate Not.”
Der 2. August 1917 wird als Trauertag in der Pfarre bezeichnet:
„nun war das lang Gefürchtete zur Wahrheit auch für uns geworden. Mit zitterndem Herzen sagte ich den Buben: ,Buben- läutets noch einmal unsere drei Glocken zum Abschied’ …. Alles lief zusammen, Alt und Jung, Groß und Klein. Viele weinten- alle trauerten… solche Opfer verlangt der Krieg von uns.”
Die Glocken wogen zusammen 351 kg und wurden als „Klockenfond” angelegt.
Anlässlich einer Hofjagd Kaiser Karls im Lainzer Tiergarten, wurde an die umliegenden Gemeinden Wildfleisch für die „ärmeren Personen” verteilt.
Am 26. November 1917 wurden die Orgelpfeifen als Kriegsopfer abgenommen, sie ergaben 17 kg Zinn.
Das Ende des Ersten Weltkrieges wurde in Laab am 24. November 1918 mit einem feierlichen Gottesdienst begangen. Die heimgekehrten Soldaten wurden vor der geschmückten Kirche vom Bürgermeister begrüßt und Frau Cäcilia Fachathaler schrieb ein Begrüßungsgedicht:
„Seid uns willkommen tausendmal, daheim in unserem Orte….”
Auch die in Laab zur Arbeit eingesetzten Kriegsgefangenen verließen Ende November den Ort.

Das Jahr 1918

In diesem schicksalsträchtigen Jahre lenkte die Geschicke des Ortes, wie schon seit 1906, Bürgermeister Georg Högn. Die Gemeindeprotokolle sind nur dürftige Quellen für diese Zeit. Jedoch gibt die vom damaligen Pfarrer Franz Wernhart geführte Pfarrchronik Aufschluss über den Status des Ortes zu dieser Zeit.
Über den November 1918 schreibt Pfarrer Wernhart, der offensichtlich ein glühender Anhänger der Österreichisch – Ungarischen Monarchie war:
„Nun kamen denkwürdige Tage. Unsere Armee flutet zurück, ohne Führung ohne Ordnung! Schon kamen viele heim. Alle Züge voll Militär, auch auf den Waggondächern…. Der Kaiser verläßt Wien und zieht sich von allen Regierungsgeschäften zurück. Er überlässt seinen Völkern die Freiheit zu Selbst-Bestimmung. Die Tschechen erklären sich frei und unabhängig ebenso die Südslawen und Ungarn. Was übrig bleibt nennt sich »Deutsch-Österreich«, ohne zu wissen, wo die Sicheren Grenzen sind.”
Über die Versorgung mit Lebensmitteln schreibt Pfarrer Wernhart:
„Mitte Juni trat noch ein bitteres Ereignis ein. Unsere Lebensmittelzentrale in Wien versagte. Auf einmal hieß es. Es ist kein Mehl mehr da. Wir erhielten kein Brot mehr. Vom 18. Juni bis 12. Juli nichts. Ab 12. Juli die Person einen halben Laib. So ging es bis Mitte August. Ich bekam jede Woche von den Barmherzigen Schwestern für mich und meine Hausleute einen Laib Brot. Das war unsere Rettung. Bis Oktober halfen uns die Schwestern aus. Nach dem Umsturz hatten sie selber nichts mehr, da ihnen die Einfuhr aus ihrem Gute in Patschlowitz in Mähren, von wo sie bisher alles besorgt hatten, nicht mehr möglich war.”
Am 12. November 1918 wurde in Österreich die Republik ausgerufen.
Die ersten Gemeinderatswahlen fanden in Laab am 22. Juni 1919 statt.
Mit Georg Högn von der „Christlich-Sozialen Partei“ wurde ein Bürgermeister bestätigt, der sein Amt aus der alten Monarchie in die neue Republik herüber tragen konnte. Sein Stellvertreter war Engelbert Fuderer.
Im September 1930 brach in Laab eine Typhusepidemie aus. Dies brachte auch großen finanziellen Schaden für die Laaber Bevölkerung, da die Milch nicht mehr nach Wien gebracht werden durfte und auch die Sommerfrischler ausblieben.

Mobilität wurde für die Bevölkerung immer wichtiger. Da ein großer Teil im Ort keine Beschäftigung mehr finden konnte, suchte man Arbeitsplätze in Liesing oder Atzgersdorf.
So wurde die Postkutsche eingestellt und die Gemeinde kaufte aus Wehrmachtsbeständen einen Autobus, der nun die Strecke Laab -Liesing befuhr. Doch schon sehr bald übernahm die Post wieder diesen Verkehr, nun mit Bussen und nicht mehr mit Kutschen.
Eine besondere Erneuerung war wohl auch, als sich 1927 die Gemeinden Laab, Wolfsgraben und Breitenfurt zusammenschlossen, um sich von Pressbaum elektrisches Licht zuleiten zu lassen. Doch erst seit 1956 gibt es in jedem Laaber Haushalt elektrisches Licht.
Auch eine eigene Wasserleitung wurde bald darauf in Laab notwendig, nachdem 1930 auf Grund der schlechten und wasserarmen Brunnen Typhus ausgebrochen war. In der Nähe des Dianatores wurde eine uralte Quelle gefunden, bei der man vermutete, dass es sich um eine Römerquelle handelte. Das Wasser wurde von seinem Ursprung in ein Reservoir, das 50. 000 Liter fasste, geleitet und floss durch seinen eigenen Druck durch das ganze Dorf. Am 15. November 1931 wurde diese Wasserleitung feierlich eingeweiht. Drei als Nymphen verkleidete Mädchen (Annerl Kirchdorfer, Anna Frenslich und Hansi Strobl) kredenzten den ersten Trunk und sprachen folgendes, von Pfarrer Wernhart verfasstes Gedicht:

Wir kommen aus dem Feenreich in dieser Feierstunde; wir Wassernixen bringen euch heut alle frohe Kunde
Wir schlummerten gar lange Zeit dort in dem Buchenwalde da zogen Römer her von weit und suchten Wasser balde.
Sie suchten in dem Felsgestein und störten unsern Schlummer,- wir gaben Wasser klar und rein vorbei war nun ihr Kummer.
Gar manche Kehle lechzend trank, aus unsrer frischen Welle; Kraft und Gesundheit hier entsprang, aus dieser muntern Quelle.
Doch in der Jahre langem Lauf, da wuchsen Buchen – Eschen – vermuhrt – verfallen -ab und auf, die Quelle ward vergessen.
Da brach die Zeit der Not herein, für Laab das kleine Dörflein; – die Brunnen leer – kein Wasser drein, wo sollte Hilfe werden?
Jetzt hat man wieder uns entdeckt, man denkt der alten Quelle, uns Nixen habt ihr aufgeweckt, drum sind wir heut zur Stelle.
Wir bringen Wasser frisch und klar, für alle durstigen Zecher! Herr Landeshauptmann Dir fürwahr, geziemt der erste Becher.

Gesellschaftlich und kulturell war das Hotel Weissenberger auch nach dem Krieg weiterhin erste Adresse.
In den verschiedenen Speisesälen spielten Salonorchester, und im Garten musizierten „Laaber Schrammein”. Auch verschiedene ausländische Gesandtschaften wurden in diesem Haus bewirtet. Selbst in der Staatsoper warb man für das Hotel. Frau Weissenberger belieferte auch einen Stand auf der Wiener Messe mit dem berühmten Milchrahmstrudel. Übrigens konnten sich das Gasthaus Stelzer in Breitenfurt und Weissenberger in Laab nie einigen, wer diese Mehlspeise nun tatsächlich erfunden hatte.
Auch der Laaber Kirtag wurde wieder ein ebenso großes Fest wie er es vor dem Krieg gewesen war. 1929 sollen etwa 120 Autos in Laab gezählt und etwa 400 Stück Backhühner, Enten und Gänse verzehrt worden sein.
Auf Grund des fortschreitenden motorisierten Verkehrs blieben die Fiakerbesuche aus und es wurde begonnen, die Straßen zu asphaltieren.
Der Kirchturm der heutigen Kirche wirkt sehr barock, wurde jedoch erst 1930 neu aufgesetzt, nachdem der sehr beliebte Pfarrer Wernhart die Bevölkerung zur Mithilfe am Bau dieses Zwiebelturmes aufgerufen hatte. Mit dem neuen Turm bekam die Laaber Kirche auch neue Glocken.
Die Februarrevolte 1934 wirkte sich in Laab so aus, dass die drei sozialdemokratischen Gemeinderäte aus dem Gemeinderat ausscheiden mussten. Als Bundeskanzler Dollfuß am l. Mai dieses Jahres die neue Verfassung verkündete, hörte man das in Laab aus Lautsprechern mit „Ergriffenheit und Begeisterung“ (laut Pfarrchronik).
Nach der Ermordung Dollfuß‘ wurde eine Heimwehr Gruppe und eine Gruppe junger Burschen, „Jungvaterland”, gegründet. Die Mädchen, die „Sonnenkinder”, bildeten sich aus der katholischen Mädchenkongregation. Auch eine Ortsgruppe, „Vaterländische Front”, wurde gegründet, deren Leiter Pfarrer Wernhart war. Sie umfasste bald über 200 Mitglieder.
In der Folge wurde der Gemeinderat für kurze Zeit verhaftet und auch Pfarrer Wernhart entging nur knapp einer Verhaftung. Das Kloster wurde von den Nationalsozialisten nach versteckten Waffen durchsucht. Beim Einmarsch des deutschen Militärs gab es auch in Laab Einquartierungen. Die Soldaten konnte nicht genug bekommen von den herrlichen Lebensmitteln, die Laab zu bieten hatte, und Frau Weissenberger musste einmal 60 Meter Apfelstrudel backen.
Am 15. November 1938 wurde Laab im Walde als eine von 97 niederösterreichischen Randgemeinden, auf Grund des Gebietsveränderungsgesetzes, an Wien angeschlossen. Laab im Walde wird nun ein Teil des neu geschaffenen 25. Wiener Gemeindebezirkes.
1939 erhielt die Pfarre den Bescheid, dass
das Pfarrhaus, das Gotteshaus zum Hl. Koloman, der Schlossgarten, der Kirchenhof, die alte Schule, die Weis’sche Kreuzkapelle und die Johannes-Nepomukstatue
der Kirche von Laab als Eigentum durch den Stillhaltekommissär einverleibt worden waren. Der Deutsche Ritterorden wurde aufgelöst.

Während des zweiten Weltkrieges fühlte sich die Bevölkerung immer sehr sicher in Laab, die Menschen suchten meist nicht einmal die Schutzkeller auf. Es war unwahrscheinlich, dass genau Laab bombardiert werden sollte, da es hier keine kriegswichtigen Betriebe gab. Doch am 21. Jänner 1945 erschütterte lauter Fliegeralarm den Ort und bald darauf schlugen Bomben in Laab ein. Die Alliierten hatten versucht, die Zweite Wiener Hochquellwasserleitung zu treffen, um damit Wien durch Wassernot in Bedrängnis zu bringen. Fünfzig bis sechzig Bombentrichter entlang der Wasserleitung ( diese wurde nicht getroffen) sind heute noch stumme Zeugen dieses Angriffs, durch dessen Luftdruck viele Häuser in Laab beschädigt wurden.
April 1945
In der Volksschule (heute Gemeindeamt) war während des Krieges das Kriegsgericht untergebracht. Im April 1945 war für vier Tage ein deutscher Major im Laaber Pfarrhof einquartiert. Jener Major hatte den Auftrag, über einen Deserteur ein Urteil zu fällen. Den Fahnenflüchtigen hatte seine Flucht bis kurz vor den Ort Laab gebracht. Dort war er von deutschen Soldaten aufgegriffen worden, und man stellte ihn daraufhin in Laab vor Gericht. Am Ostermontag des Jahres 1945 wurde der Mann zum Tode verurteilt und am Morgen des nächsten Tages außerhalb des Ortes erschossen. Seine Leiche lag zwei Tage lang am Rande der Straße; über dem Toten wurde eine Tafel angebracht, auf der zu lesen stand: „Aus Feigheit wegen Fahnenflucht erschossen!” Am 4. April wurde der Leichnam endlich der Gemeinde Laab übergeben und der Totengräber beerdigte ihn am Ortsfriedhof. Danach verschwanden der Major und sein Gefolge wieder aus Laab. Sie waren auf der Flucht vor den herannahenden Russen, ebenso wie viele Karawanen von Flüchtlingen, die in diesen Tagen durch den Ort zogen. Am 7. April 1945 kamen schließlich die Russen nach Laab im Walde. Pfarrer Wernhart beschreibt diese Tage, so auch den 5. April, sehr genau:
„Nachmittag kamen immer mehr Flüchtlinge, besonders Militär, und berichteten. Die Russen sind in Baden, in Mödling, in Liesing. Eine riesige Aufregung bemächtigte sich aller. Innerhalb von zehn Minuten war alles (deutsche) Militär davon, teils gegen Wolfsgraben, teils durch den Lainzer Tiergarten. Gegen Abend war der Ort wie ausgestorben, keine Flüchtlinge mehr. Nun wußte ich, wir sind eingeschlossen.”
In den folgenden Tagen wüteten die Russen in Laab. Sie nisteten sich im Pfarrhof ein und verbreiteten im ganzen Ort Angst und Schrecken. Sie nahmen sich Nahrungsmittel nach Gutdünken und vergewaltigten Frauen und Mädchen.
Auf die Bitte des Pfarrers, diesem Treiben ein Ende zu setzen, folgte die Antwort:
„Es ist Krieg, Soldat will leben; heute leben, morgen tot.”
Noch den ganzen April über war die Lage in Laab sehr gespannt. Zwei Mitglieder der Gemeinde hatten die Ortsleitung übernommen. Karl Madl waltete als provisorischer Bürgermeister und Lambert Krammer Junior als Polizeileiter. Vom 8. Mai berichtet Pfarrer Wernhart dann:
„Als ich nach der Besichtigung der Aufräumungsarbeiten vom Schulhaus heimging, kam mir der junge Krammer Lambert entgegen mit der Botschaft: ,Herr Pfarrer, der Krieg ist aus! Gott sei Lob und Dank.’ Ich lief nach Hause und fing an mit unserer Kirchenglocke zu läuten. Zu Mittag läuteten wir eine Stunde den Frieden ein.”
In Laab hatte es keinen organisierten Widerstand gegeben. Es ist nur bekannt, dass ein Peter Linsenholz, welcher zu dieser Zeit in Laab wohnhaft war, 1938/39 wegen seiner vormals „antinationalistischen Tätigkeit als Funktionär einer vaterländischen Organisation“ in Schutzhaft war.

Am 1. September 1954 wurden 80 der 97 Randgemeinden, die 1938 an Groß – Wien angeschlossen worden waren, wieder in die Selbständigkeit entlassen. Laab ist seit dieser Zeit eine selbständige Gemeinde im Bezirk Mödling.
Noch an diesem Tag trat der aus elf Mitgliedern bestehende Gemeinderat zusammen, um einen neuen Bürgermeister zu wählen.
Josef Weissenberger (ÖVP) übernahm das Amt des Bürgermeisters, sein Stellvertreter wurde Rudolf Baumann (ÖVP).
In der nächsten Sitzung passierte eine für das weitere Schicksal Laabs ausschlaggebende Schlampigkeit – oder war es Absicht?
In der Sitzung am 16. September 1954, stellte die SPÖ Fraktion den Antrag auf „Rückgliederung der Gemeinde Laab im Walde zu Wien“. Die Entscheidung wurde vorerst vertagt. Schließlich wurde in der Sitzung am 30. Oktober 1954 mit 6:5 Stimmen dem Antrag zugestimmt. Dabei wurde auch beschlossen, diesen Entscheid an die Landesregierung weiterzuleiten. Es findet sich im Archiv allerdings keine Korrespondenz darüber, sodass nicht nachgewiesen werden kann, welchem Umstand es die Gemeinde verdankt, ihre eben erst wieder erlangte Selbständigkeit bewahrt zu haben.
1957 übernahm Anton Stagl (ÖVP) das Amt des Bürgermeisters. Seit 1990 ist Peter Wimmer (ÖVP) Bürgermeister von Laab im Walde.

1957 Erste Kanalisation in Laab im Walde
1958 Einführung einer Straßenbezeichnung
1958 Beschluss des Flächenwidmungsplanes und Bebauungsplanes
Anders als in vielen anderen Gemeinden, bildete der Flächenwidmungsplan die Grundlage für die positive Entwicklung des Ortes, da damit die damals schon beginnende Zersiedlung des Wienerwaldes für Laab verhindert werden konnte.
1966 Bescheid des Amtes der N.Ö. Landesregierung über die Verleihung des Gemeindewappens und Genehmigung der Gemeindefarben Rot – Weiß – Grün
1967 Anschluss an den Selbstwählverkehr
1992 Errichtung eines Bauhofes der Gemeinde Laab im Walde
1993 Errichtung eines Wertstoff Sammelzentrums
1994 Errichtung eines neuen Kindergartens
1997 Errichtung eines Rad- und Gehweges nach Breitenfurt
1997 Renovierung der Weis‘ sehen Kapelle
1998 Errichtung eines neuen Friedhofes und einer Aufbahrungshalle
1999 Pachtvertrag Pfarrgarten
2000 Umwidmung des Bauhofes zu einem neuen Zeughaus für die örtliche Feuerwehr
2000 Errichtung eines neuen Bauhofes auf dem Gelände des Wertstoffsammelzentrums

Veränderungen des Bauernstandes
In Laab im Walde gab es, verglichen mit Bauern in anderen Regionen des Landes, immer nur Kleinbauern. Es wurde kaum Getreide angebaut, die Bauern lebten von der Milchwirtschaft, dem Heu- und Holzfuhrwerk.
Die Stadt Wien betrieb in den äußeren Bezirken große Molkereien, um die Großstadt mit Milch zu versorgen. Dorthin lieferten die Laaber Bauern das Heu. Es werden viele Geschichten erzählt darüber, dass diese, wenn Auszahlung war, das Geld in den Gasthäusern am Heimweg vertranken und die Rösser allein nach Hause trabten.
Eine andere Möglichkeit eines „Zuverdienstes” war das Holzführen. In den umliegenden Wäldern der Bundesforste wurde Holz geschlägert und mit Pferdefuhrwerken abtransportiert.
Bis vor den zweiten Weltkrieg zählte der Ort noch ungefähr zwanzig Bauern. Auch sie wurden zum Kriegsdienst eingezogen, fielen im Krieg, kamen aus der Gefangenschaft nicht mehr nach Hause. Es gab zu wenig männliche Nachkommen oder diese ergriffen andere Berufe. Die Wirtschaften lösten sich auf, sodass es heute nur mehr wenige Bauern im Ort gibt, deren Viehbestand aber, verglichen mit dem vor dem Weltkrieg, um ein Vielfaches gestiegen ist.

Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1899 gegründet. Der erste Feuerwehrhauptmann war Georg Högn. Aufsehen erregte die Freiwillige Feuerwehr Laab im Walde, als sich 1989 Sabine Aschauer als erste Frau Österreichs in den Dienst der Freiwilligen Feuerwehr stellte.
Einen Musikverein gab es schon vor dem zweiten Weltkrieg. Im Sommer 1946 kaufte Alois Tragfeit Blasinstrumente und Noten von einer aufgelösten Musikkapelle in Wien – Mauer. Pfarrer Wernhart bürgte für den Ankauf der Instrumente und damit für die Gründung des Laaber Musikvereins nötigen Mittel von 8000 Schilling. Der erste öffentliche Auftritt der neu gegründeten Musikkapelle erfolgte zu Weihnachten desselben Jahres mit dem heute traditionellen Turmblasen.
Auch ein Kirchenchor sorgt in Laab für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste, bei Hochzeiten, Begräbnissen und beim alljährlichen Adventsingen. Er wird seit über vierzig Jahren von Rudolf Aschauer geleitet.
1980 gründete Dr. Ulrike Selbmann den Volkstanz – und Trachtenverein in Laab im Walde. Ebenso wurde 1980 die „Laaber Tracht” von ihr, unter Anleitung des Niederösterreichischen Heimatwerkes, aus bekannten Wienerwaldtrachten abgeleitet und neu geschaffen.
Zur selben Zeit wurde ein Schützenverein von Oberförster Franz Lauscher ins Leben gerufen.

Die Weis’sche Kapelle
1774 gab Carl Graf Colloredo, der damals maßgebende Mann des Deutschen Ordens die Bewilligung zum Bau einer Kapelle auf der sogenannten Dorfwiesen. Dort sollte die Kreuzigungsgruppe, die sich heute in der Pfarrkirche befindet, aufgestellt werden. Diese war aus der Jesuitenkirche am Hof vom damaligen Dorfrichter und seinen Geschworenen, Jakob Pillwax, Georg Högn und dem Kirchenvater Simon Podingbauer nach Laab transportiert und vorübergehend im Schloss Wintersbach untergebracht worden.
Erst der Bau der Kreuzkapelle auf der Hofwiesen schuf dafür einen würdigen Standort. Die Gemeinde verpflichtete sich damals, Sand, Kalk und Steine beizusteuern, und die Bevölkerung half beim Bau eifrig mit.
Im Lauf der Jahre verfiel die Kapelle. Eine großzügige Spende von 500 Gulden der vermögenden Schwestern Weis, die in Laab ihre Jugend verbracht hatten, machte es möglich, dass die Kapelle im Jahre 1852 neu aufgebaut werden konnte. Die Kreuzigungsgruppe wurde vom Maler Thomas Marzig renoviert, wobei besonders das Kruzifix, das eine Holzschnitzarbeit aus dem 15. Jahrhundert sein soll, als sehr wertvoll bezeichnet wurde.
Nachdem die Kreuzigungsgruppe in die Laaber Dorfkirche übersiedelt war, diente die Kapelle als Aufbahrungshalle.
1969/70 mussten durch den Straßenbau der Bundesstraße 13 und den damit zusammenhängenden geänderten Niveauverhältnissen einige Änderungen an der Kapelle durchgeführt werden. Es wurde notwendig, die Fläche rund um die Kapelle aufzuschütten und den Boden zu heben. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch ein neues Tor gemacht und eine allgemeine Renovierung durchgeführt. In den folgenden Jahren verfiel die Kapelle abermals.
Erst von 1994 bis 1997 wurde die Kapelle von Grund auf erneuert und vor dem endgültigen Verfall gerettet. Die Aufschüttungen aus dem Jahr 1970 wurden wieder abgetragen. Der Niveauunterschied wurde nun durch die Errichtung von fünf Stufen, die in die Kapelle führen, ausgeglichen. Wie schon 1774, waren auch wieder viele Laaber Bürger persönlich und tatkräftig an der Renovierung der Kapelle beteiligt. Der Innenraum wurde von Helga und Fritz Kaplan gestaltet. Sie stifteten aus ihrem Familienbesitz den Corpus Christi und zwei Kerzenleuchter. Auch das Kreuz und der Altar wurden von ihnen gebaut. Die Engel zu beiden Seiten des Kreuzes stammen aus der Pfarrkirche. Der Hl. Florian kommt aus dem Besitz der Gemeinde. Die Schmiedeeisengitter am Eingang zur Kapelle wurden von Fritz Pyringer angefertigt. Die Sitzbänke waren eine Schenkung des Klosters Laab.
Am 20. September 1997 wurde die Kapelle mit dem Segen von seiner Eminenz Franz Kardinal König feierlich eröffnet.

Die Wegkapelle am Anger („Pestkapelle”)
Sie wird im Franziszäischen Kataster als „im Eingang des Dorfes hölzerne Kapelle“ bezeichnet und ist als solche bis 1831 eingezeichnet. Die Kapelle findet sich nicht in der Pfarrchronik und war nach Aussage des Diözesanarchivars niemals im Besitz des Deutschen Ordens. Das Bundesdenkmalamt gibt Auskunft über eine „spätbarocke, klassizistische Kapelle um 1800″. Auch in den Josephinischen Fassionen im Niederösterreichischen Landesarchiv findet sich diese Kapelle nicht.

Die Wegkapelle („Rosalienkapelle”)
Diese ist als steinerne Kapelle im Franziszäischen Kataster schon 1819 eingetragen. Sie ist aber, laut Pfarrchronik, 1896 von Josef Weissenberger um 10 Meter von der Straße zurück versetzt worden. Sie wurde anlässlich der Fronleichnamsprozession neu geweiht. Am Nachmittag desselben Tages wurde auch die gegenüber dem Kirchenportal aufgestellte Statue des Hl. Johannes Nepomuk geweiht.
Das Bundesdenkmalamt bezeichnet diese Kapelle als „Neorennaissance mit Rundbogen”. Bei der liegenden Figur im unteren Teil des Bildstockes handelt es sich um die Hl. Rosalia (Aussage des Bundesdenkmalamtes).

Das Leben im Dorf findet heute ganz anders statt, als es früher einmal war. Der Einfluss der Großstadt Wien war durch deren Nähe und der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Laaber Bevölkerung immer gegeben. Wir sehen große Veränderungen in den bäuerlichen Strukturen. Obwohl die Pendler hier nicht das Schicksal wie in anderen Orten erleiden, in denen sie die ganze Woche über fern ihrer Familie und ihres Heimatortes verbringen müssen, die städtische Lebensart brachten auch sie seit dem zweiten Weltkrieg in gesteigertem Maß ins Dorf. Die meisten Bereiche des täglichen Lebens sind aus dem Dorf ausgelagert. Durch die Schließung der Volksschule finden weniger außerschulische Aktivitäten statt. Viele der in Laab wohnenden Menschen haben das Dorf nie anders gekannt, die älteren aber haben diesen Entwicklungsprozess miterlebt. Und doch entstand ein großes Bemühen, das Bedürfnis nach dörflichem Zusammenleben zu fördern. Das Entstehen einer „Laaber Tracht”, die Gründung der „Volkstanzgruppe“ und des „Schützenvereins” sind lebendiges Beispiel dafür.
Außerdem fand sich um die Familie Wilhelm Peer eine Gruppe Musikbegeisterter zur „Laaber Tanzlmusi“ zusammen. Die Tradition des Adventsingens wurde begründet. Es wird vom Kirchenchor zusammen mit einem Hirtenspiel gestaltet und seit über zwanzig Jahren am letzten Adventsonntag in der Laaber Kirche aufgeführt. Ernst Wolfsgruber hat dazu einen Text geschrieben, der das weihnachtliche Geschehen in die Laaber Landschaft versetzt. Hirten ziehen von den Hügeln um Laab („….bin aba von da Karlwies….”) ins Tal, um schließlich in der Dorfkirche das neugeborene Kind zu finden.
Der neue Pfarrgemeinderat bemüht sich sehr um die jungen Familien. In seinen Aktivitäten wird vor allem die Jugend zum Gemeinschaftsleben geführt.
Es ist zu wünschen, dass das Bedürfnis nach vielfältigen Formen der dörflichen Kultur erhalten bleibt, weil es die Menschen zusammenführt.
Es ist zu wünschen, dass unser Dorf Laab im Walde liebenswert und lebenswert bleibt und dem Heimat ist, der Heimat sucht.